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THERAPIE RETTET LEBEN
Gewaltopfer warten in Deutschland oft Monate auf einen Psychotherapieplatz. Doch schnelle Hilfe ist entscheidend, um schlimme Erfahrungen verarbeiten zu können.
Einfach wie bisher weiterleben? Für Gewaltopfer ist das meistens unmöglich, die Erlebnisse lassen sie nicht los. Angst, Panik und das Gefühl von Hilflosigkeit bestimmen ihr Leben. Doch Hilfe zu bekommen, ist in Deutschland sehr schwer. Selbst, wer Gewalt erlebt hat und dringend psychologische Unterstützung braucht, wartet oft Monate auf einen Therapieplatz, in ländlichen Gebieten kann es über ein Jahr dauern.
Klar ist: Psychotherapie spielt eine zentrale Rolle bei der Verarbeitung von Traumata. Sie hilft, das Geschehene zu begreifen, Ängste abzubauen und das Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen. Je früher eine Therapie beginnt, desto besser können Langzeitfolgen vermieden werden. Hilfsorganisationen, die sich für Gewaltopfer einsetzen, fordern deshalb eine zeitnahe Versorgung für Gewaltopfer. Denn: Jeder Tag ohne Therapie erhöht das Risiko von chronischen Belastungen wie Depressionen und Angststörungen
SCHNELLE HILFE IST WICHTIG
Zudem: Ein Gerichtsprozess gegen die Täter:innen bringt oft neue Belastungen für die Betroffenen mit sich: Das Nacherzählen des Geschehenen, die Konfrontation mit dem Täter oder der Täterin – all das kann eine Retraumatisierung auslösen. Gerade da wird deutlich, wie wichtig psychologische Unterstützung ist. Sie bietet Rückhalt, wenn die Vergangenheit wieder präsent wird.
Die Lösung? Gewaltopfer brauchen sofort Zugang zu einem Therapieplatz – unbürokratisch und flächendeckend. Aktuell klafft in der Versorgung eine gravierende Lücke, die dringend geschlossen werden muss. Jede Verzögerung ist eine zusätzliche Belastung für Menschen, die ohnehin an ihre Grenzen gehen.
Dr. Julia Egleder
