
Experteninterview
MIKRONÄHRSTOFFE IM ALTER
Wie lässt sich gesundes Altern aktiv gestalten? Dr. Roxana Mittler-Matica, Neurochirurgin, spricht über Prävention, Mikronährstoffe und personalisierte Longevity-Strategien
DAS THEMA LONGEVITY WIRD AKTUELL BREIT DISKUTIERT. WAS BE DEU TET ES AUS ÄRZTLICHER SICHT JENSEITS VON REINER LEBENSVERLÄNGERUNG?
Gesundes Altern bedeutet für mich vor allem, die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Lebensjahre, sondern diese körperlich und geistig aktiv zu gestalten. Belastbarkeit sowie die Fähigkeit, den Alltag selbstständig zu bewältigen, stehen dabei klar im Vordergrund. Longevity ist damit kein rein medizinisches Konzept, sondern eine ganzheitliche Betrachtung von Gesundheit.
WARUM GEWINNT PRÄVENTION IN DER ZWEITEN LEBENSHÄLFTE ZUNEHMEND AN BEDEUTUNG
Mit dem Alter verändern sich Stoffwechsel, Regenerationsfähigkeit und Belastbarkeit. Gleichzeitig wirken sich ungünstige, langjährige Lebensstilfaktoren stärker aus. Prävention wird in dieser Lebensphase besonders relevant, weil sie dazu beiträgt, funktionelle Einschränkungen hinauszuzögern und vorhandene Ressourcen besser zu erhalten. Zudem wächst bei vielen Menschen das Bewusstsein für die eigene Gesundheit
WELCHE MASSNAHMEN HALTEN SIE FÜR BESONDERS RELEVANT
Wichtig sind kontinuierliche Maßnahmen wie ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress. Ergänzend helfen präventive Check ups, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Entscheidend ist weniger die einzelne Maßnahme als deren langfristige Kombination.
WELCHE ROLLE SPIELEN MIKRONÄHRSTOFFE – BESONDERS MIT ZUNEHMENDEM ALTER?
Mikronährstoffe sind an zahlreichen Stoffwechsel- und Regenerations prozessen beteiligt. Mit dem Alter verändern sich Bedarf, Aufnahme und Verwertung; auch Erkrankungen und Medikamente können die Versorgung beeinflussen. Deshalb rücken sie im Rahmen präventiver Konzepte stark in den Fokus. Eine bedarfsgerechte Versorgung ist daher wichtiger Teil eines ganzheitlichen Longevity-Ansatzes.
BEOBACHTEN SIE DEFIZITE IN DER VERSORGUNG
In der Praxis zeigt sich durchaus, dass die Ernährung nicht immer ausgewogen ist – etwa durch Zeitmangel, einseitige Kost oder veränderte Essgewohnheiten im Alter. Das führt nicht automatisch zu einem Mangel, unterstreicht aber, wie wichtig eine differenzierte Betrachtung der Mikronährstoff Versorgung ist – idealerweise mit ärztlicher Begleitung und entsprechenden Laboranalysen
WORAUF SOLLTE BEI EINER GEZIELTEN MIKRONÄHRSTOFFERGÄNZUNG GEACHTET WERDEN
Wichtig ist eine individuelle Betrachtung. Pauschale Empfehlungen greifen zu kurz. Eine gezielte Supplementierung sollte sich am persönlichen Bedarf orientieren, mögliche Wechselwirkungen berücksichtigen und in die gesamte Gesundheitsvorsorge eingebettet sein. Qualität, Zusammensetzung und Dosierung der Präparate spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die ärztliche Begleitung
WIE LÄSST SICH PRÄVENTION REALISTISCH IN DEN ALLTAG INTEGRIEREN?
Prävention muss alltagstauglich sein. Bewährt haben sich kleine, kontinuierliche Veränderungen – etwa regelmäßige Mahlzeiten mit möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln und feste Zeiten für Bewegung und Erholung. Auch einfache Routinen wie die Planung des Einkaufs helfen, gesunde Gewohnheiten zu verankern. Entscheidend ist, dass die Maßnahmen zum eigenen Lebensstil passen und realistisch umsetzbar bleiben
WAS WÜNSCHEN SIE SICH FÜR DIE ZUKUNFT
Wir benötigen einen Perspektivwechsel: Prävention sollte nicht erst dann beginnen, wenn Beschwerden auftreten, sondern selbstverständlich sein. Dafür braucht es mehr Aufklärung, ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung und vor allem eine bessere strukturelle Verankerung präventiver Ansätze im Gesundheitssystem. Eine enge Verzahnung von Medizin, Ernährung und Lebensstil ist aus meiner Sicht entscheidend, um gesundes Altern langfristig wirksam zu unterstützen.
Sabine Clever
